Vermutlich als erstes Mädchen aus dem Dorf besuchte Änne Meier die Höhere Mädchenschule
in
St. Wendel.
Ausbildung und Arbeit als Volksschullehrerin
1914-1917 Lehrerinnenseminar in Saarburg
Mit der Entscheidung zum Lehrerinnenberuf entschied sie sich gleichzeitig zur Ehe- und Kinderlosigkeit. Lehrerinnen mussten sich damals vertraglich verpflichten, bei einer Heirat ihren Beruf aufzugeben.
Erste Anstellung als junge Aushilfslehrerin in Brücken bei Birkenfeld (1917-1919)
Als nach Kriegsende die heimkehrenden Lehrer wieder in ihre alten Stellen eingesetzt wurden, musste sie wegen „Überschuss an Lehrkräften“ aus dem Schuldienst ausscheiden.
Ausbildung und Arbeit als Fürsorgerin
Nach dem Krieg 1914/18 wurden in den Städten Fürsorgeämter neu aufgebaut. Änne Meier wollte diesen Beruf ausüben und begann 1919 das Studium der Sozialpädagogik, -wirtschaft und -hygiene an der Katholischen Sozialen Frauenschule in Heidelberg.
Als eine der ersten Fürsorgerinnen im Saarland half sie maßgebend mit beim Aufbau der Kreiswohlfahrtsämter Homburg (ab 01.02.1921) und St. Ingbert (ab 01.05.1925)
Entscheidend für den weiteren Lebensweg waren die Jahre in Heidelberg. Hier bekam sie Kontakt mit den Katholischen Jugendverbänden. Besonders die „Werkwochen“ auf Burg Rothenfels am Main, und hier die Diskussionen mit dem katholischen Priester Prof. Romano Guardini, dem Journalisten Walter Dirks und weiteren Führungspersönlichkeiten der liturgischen Erneuerungsbewegung schulten ihre Kritikfähigkeit.
Sie engagierte sich im Bund katholischer Pfadfinderinnen und betreute die Gruppen in Saarpfalz, Pfalz und Baden. Sie vervielfältigte und verteilte die sogenannten „Galenbriefe“ Predigten und Briefe des Bischofs Graf von Galen aus Münster und die monatlichen Rundbriefe von Pater Manfred Hörhammer.
Änne Meier beschäftigte sich seit Beginn der dreißiger Jahre mit Fragen der Tuberkulosenforschung. Sie hatte aus privater Initiative erbbiologische Stammbäume angelegt. Sie untersuchte auch Erbkrankheiten in ihrem Bezirk.
Als sie von der Vernichtung lebensunwerten Lebens durch NS Ärzte erfuhr, weigerte sie sich, trotz intensiver Aufforderung ihrer Vorgesetzten, ihre Unterlagen weiterzugeben.
Verhaftung und Konzentrationslager
21. Januar 1942 Festnahme und Inhaftierung durch die Gestapo zu 10 Wochen Einzelhaft in der Strafanstalt Lerchesflur Saarbrücken.
Die „ Schutzhaft“ von Änne Meier erfolgte mit der Begründung: „wegen fanatischen Einsatzes für die katholische Aktion, dadurch dass sie Hetzbriefe vervielfältigte und weiterverbreitete und so den Zusammenhalt zwischen Front und Heimat zu untergraben sich unternimmt.“
11. April 1942 Ankunft im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück; als politischer Häftling trug sie den roten Winkel und hatte die Nummer 10 397
28. April 1945 – Mitte Juli 1945 Auf dem Weg aus dem Lager bis nach Baltersweiler
Nach dem Krieg
Oktober 1945 bis Mai 1958
- Fürsorgerin beim Landratsamt
St. Ingbert
Engagement nach dem Krieg:
- Sie gründete zusammen mit Schicksalsgenossinnen
die Lagergemeinschaft Ravensbrück.
Die ehemaligen Insassinnen des Lagers
trafen sich und versuchten das Geschehene
zu verarbeiten und unterstützten
sich gegenseitig.
- Sie war Mitbegründerin des
Landesverbandes der Vereinigung der
Verfolgten des Naziregimes (VVN)
- Mitbegründerin des Adolf-Bender-Zentrums
in St. Wendel (Verein zur Förderung
demokratischer
Traditionen)
- Mitbegründerin der Pax-Christi-Bewegung
im Bistum Trier.
Gestorben 20. Juli 1989 in Baltersweiler
Ihre Grabstätte befindet sich
auf dem Friedhof in Baltersweiler